„An Tagen wie diesen“ – mit diesem Hit der „Toten Hosen“ hat die Band „Santa Mente“ am Pfingstmontag die Gläubigen auf den Festzeltgottesdienst des Pilstinger Pfingstvolksfestes vor der liturgischen Eröffnung eingestimmt. Die Formation traf damit genau den richtigen Ton und erntete für ihre moderne, mitreißende Begleitung überaus viel Lob. Das Lied war jedoch weit mehr als nur ein gelungener musikalischer Auftakt: Es lieferte gleichzeitig den roten Faden für die Predigt von Dekan Jürgen Josef Eckl, der den darin besungenen Wunsch nach Unendlichkeit ins Zentrum seiner Worte stellte. Das weitläufige Festzelt bot zwar mehr als genug Platz für alle, war aber dennoch hervorragend gefüllt: Schätzungen zufolge feierten rund 1.000 Besucher gemeinsam die heilige Messe. Wie groß der Andrang tatsächlich war, zeigte sich spätestens bei der anschließenden Verlosung des TSV Pilsting, bei der über 1.000 Lose an die Frau und den Mann gebracht wurden. Der Kirchenzug formierte sich am Pfarrheim Pilsting und zog bei strahlendem Sonnenschein über die Straße direkt hinein in das bunte Treiben des Volksfestes. Angeführt von der Musikkapelle Großköllnbach und einer stattlichen Schar von Ministranten der Pfarreiengemeinschaft, folgte das lange Ehrengeleit. Die Organisatoren des TSV Pilsting marschierten Seite an Seite mit Bürgermeister Martin Hiergeist, den Vertretern der politischen Gemeinde sowie zahlreichen örtlichen Vereinen, um gemeinsam ins Festzelt einzuziehen.
Zwischen Feiern und Heiligem Geist
In seiner Festpredigt griff Dekan Jürgen Josef Eckl die Atmosphäre des Volksfestes auf und spannte elegant den Bogen zum eigentlichen Pfingstgeheimnis. Mit einem Augenzwinkern erinnerte er an die Worte des Rathauschefs bei der Bierprobe: „Unser Bürgermeister hat gesagt: ‚Das größte Fest in Pilsting ist nicht Weihnachten oder Ostern, sondern Pfingsten‘. Hab ich mir gemerkt. So ganz unterschreiben kann ich das aus meinem Blickwinkel heraus natürlich nicht. Aber Pfingsten gehört tatsächlich zu den drei größten Festen, die wir im Kirchenjahr feiern.“ Wenn man Grundschüler frage, warum an Pfingsten schulfrei sei, komme oft die Antwort: „Ja, weil’s Volksfest is.“ Das lasse er zwar als Antwort gelten, so Eckl, doch das Festzelttreiben sei keineswegs ein Widerspruch zum Glauben. Im Gegenteil: „Das Feiern, die Lebensfreude, die Gemeinschaft, die hier in diesen Tagen zum Ausdruck kommt, ist so etwas wie eine Auslegung, eine lebenswirkliche Predigt über das Pfingstfest“, sagte er, „diese Lebensfreude ist es, die eben so gut zu Pfingsten passt. Denn da hat der Heilige Geist seine Finger im Spiel.“ Der Dekan räumte dabei auch gleich mit dem Klischee des griesgrämigen Christen auf: „Katholisch sein heißt nicht, ständig mit traurigem Gesicht herumzulaufen in Erwartung des jüngsten Gerichts. Im Gegenteil: Ein Christ ohne Freude im Herzen ist ein schlechter Zeuge der Frohen Botschaft.“ Selbst die Frage, ob ein Pfarrer auf dem Volksfest auch mal ein Bier trinken dürfe, beantworte er stets trocken mit: „Prost.“ Doch der Prediger blickte auch hinter die Fassade der ausgelassenen Feststimmung. Auf Wunsch von TSV-Vorsitzendem Xaver Sußbauer stand das Lied „An Tagen wie diesen wünscht man sich Unendlichkeit“ im Raum. Doch was passiert, wenn die Festtage vorbei sind und der Alltag einkehrt? „Brauchen wir nicht auch alle eine Freude, die viel tiefer in uns sitzt? Die uns auch Mut und Hoffnung gibt, wenn der Alltag uns wieder hat, mit allem, was er das ganze Jahr so mitbringt?“, fragte er, „Ich meine keine aufgesetzte Freude, oder eine, die etwas kaschiert, keine künstliche, oberflächliche. Sondern eine Freude und eine Hoffnung, die tief in uns gründet, die ihren Sitz in unserem Herzen hat, weil der Heilige Geist dieses Herz erfüllt.“ Eckl rief die Gläubigen vehement dazu auf, das Christsein selbstbewusst in die Welt zu tragen: „Wir haben als Christinnen und Christen keinen Grund uns zu verstecken. Oder unseren Glauben rein ins Private zu verbannen.“ Der Glaube verbinde das Hier und Jetzt mit dem Blick nach oben: „Es geht im Evangelium, es geht im Glauben um Tage wie diese. Aber auch um die Unendlichkeit. Beides kommt in unserem Glauben zusammen.“ Mit den hoffnungsvollen Worten: „Denn für den, der glaubt, ist buchstäblich kein Ende in Sicht“, schloss er die Predigt.
Ein Novum: Die Fahrradsegnung
Nach dem Gottesdienst strömten die Menschen zum Marktsaal Pilsting, wo ein absolutes Novum auf dem Programm stand: die erste große Fahrradsegnung. In der Mittagssonne hatten sich rund 250 Radfahrer mit ihren Gefährten – vom klassischen Drahtesel über Hightech-Rennräder, Hochräder bis hin zu modernen Pedelecs und E-Bikes – aufgestellt, orchestriert von der Freizeitabteilung des TSV Pilsting um Ulrike Böll. Dekan Eckl spendete den Fahrzeugen und ihren Fahrern den kirchlichen Segen für eine allzeit unfallfreie Fahrt.
(Text und Fotos: S. Melis)