Die St. Blasius-Bruderschaft (gegründet 1457) ist die wahrscheinlich älteste Bruderschaft im Bistum Regensburg. Geführt wird die Bruderschaft von einer Frau: Gudrun Zollner, MdB a.D., ihres Zeichens Zechpröpstin und damit seit 2019 verantwortlich für die Finanzen der Bruderschaft. Das ist weniger ungewöhnlich, als es sich liest, denn schon in den ältesten auffindbaren Unterlagen steht, dass sowohl Männer als Frauen der Bruderschaft angehören – scheinbar von Anfang an.
Die Blasius-Bruderschaft war nicht nur von Anfang für alle Katholiken offen, sondern auch die erste Genossenschaftsbank und der erste Förderverein in dem Markt in Niederbayern.

Die St. Blasius Bruderschaft, damals noch die St. Blasius-, Urbani- und Florianibruderschaft, wurde am 21. Oktober 1457 vom damaligen Pfarrherrn Leonhard Herickl und den Laien Ägidius Grimmel und Hans Aman, beides Landwirte, gegründet. Für die älteste Bruderschaft in ganz Bayern ist St. Blasius Wallersdorf eindeutig noch zu jung, als Beispiel: ein gutes Stück älter ist noch die St. Isidor- und Notburga-Bruderschaft, gegründet 1426 in München, die immer noch aktiv ist.

Die St. Blasius Bruderschaft war und ist ein kirchlicher Verein, dessen Aufgabe es war, Werke der Frömmigkeit und Nächstenliebe, die Fürsorge für Arme, sowie die gemeinsame Bestattung der Verstorbenen zu üben, für deren ewiges Seelenheil zu beten und den offiziellen Gottesdienst zu fördern. War das schon ein umfangreiches Betätigungsfeld kamen noch weitere Aufgaben hinzu: die Bruderschaft war ein wichtiger Geldverleiher, als gleichsam die erste Hypotheken- oder Genossenschaftsbank und sie gab Zuschüsse für den Unterhalt des Pfarrers, des Mesners und des Schulmeisters, sowie für den Bauunterhalt des Gotteshauses und vieles andere. Die Mitglieder brachten bei ihrem Eintritt mehr oder minder große Beiträge in Form von Geld, aber auch von Äckern und sonstigen materiellen Gütern in die Vereinigung mit ein. Derzeit ist umfasst der Mitgliedsbeitrag einen Euro pro Jahr.

Erneuert wurde die Bruderschaft im Jahre 1635 durch den damaligen Ortspfarrer Jakob Büttner. 1876 wurde auf Anordnung des Ordinariats Regensburg eine Reorganisation der Bruderschaft durchgeführt, nun bezeichnete sie sich nur noch als Blasiusbruderschaft oder „Armenseelenbruderschaft zu Hilf und Trost der armen Seelen“. Das Vermögen der Bruderschaft wurde jeweils von zwei Zechpröpsten, auch Brüdermeister genannt, verwaltet. Der Name „Zech“ ist der Ausdruck für die Geldmittel, die verwaltet worden sind. Das Geld wurde im sogenannten Zech-Schrein aufbewahrt. Jeweils am Montag nach Lichtmess, dem Hauptjahrtag der Bruderschaft, legten die Zechpröpste eine schriftliche Abrechnung der Einnahmen und Ausgaben den Bruderschaftsmitgliedern vor. Auch heute noch wird diese schriftliche Abrechnung vorgelegt. Besonders beachtenswert sind die fast vollständig erhaltenen Jahresrechnungen der St. Blasius-Bruderschaft von 1607 bis 1920, was auch für die Pfarrkirche bedeutend ist, denn Aufzeichnungen über diese sind fast nur in Unterlagen der drei Wallersdorfer Bruderschaften zu finden in Form von Aufwendungen für den Bau, die Einrichtung und den Unterhalt des Gotteshauses als Jahresrechnungen. Vieles ist in den 566 Jahren von der Blasius-Bruderschaft gestiftet worden: Äcker und Kelche. Noch immer flankiert, beispielsweise, der von die Bruderschaft 1688 erbaute rechte Seitenaltar den Altarraum in der Pfarrkirche: der St. Blasiusaltar, dort steht das Dreiergespann aus dem Heiligen Blasius von Sebaste, dem Heiligen Florian von Lorch und dem Heiligen Urban. Zudem stiftete die Bruderschaft Geld für die Kanzel, die Monstranz, die Orgel, Messingleuchter oder neue Glocken.

Ab 1613 nahm sich die Bruderschaft besonders um die Pfarrschule an. Sie stellte das Schulhaus und die Lehrerwohnung bereit und zahlte Zuschüsse zum Schulbetrieb: entsprechend einem Förderverein. Als am 15. März 1715 das vom Bauern hinter der Kirche angemietete Schulhaus niederbrannte, errichtete die Bruderschaft im Jahre 1721 an der Osenstraße ein neues, größeres Haus.

Durch die Inflation in den Jahren 1922/23 wurde das Geldvermögen der Bruderschaft aufgefressen, sodass die Finanzkraft erlosch. Seitdem werden auch nicht mehr die vielen gestifteten Jahrtage für die verstorbenen Seelen gehalten.

Heute wird die Bruderschaft nach wie vor ihren Zielen gerecht in der Förderung des christlichen Lebens in der Marktgemeinde, im Gebet für die Verstorbenen und durch die finanzielle Unterstützung von kirchlichen Bauten, aber auch Notleidenden.