Beim 150-jährigen Gründungsfest der Freiwilligen Feuerwehr Ganacker war der ganze Ort auf den Beinen. Viele hundert Gäste konnte der Jubelverein begrüßen. Bereits am Samstag fand man sich am Kriegerdenkmal in der Mitte des Ortes zusammen, um der verstorbenen Mitglieder feierlich zu gedenken. Am Sonntag war der Festgottesdienst im Hof der Familie Schütz der feierliche Höhepunkt. Dabei segnete Dekan Jürgen Josef Eckl auch die restaurierte Vereinsfahne und die Fahnenbänder.

Die Predigt von Dekan Jürgen Josef Eckl im Wortlaut:

Liebe Feuerwehrkameraden,
liebe Gäste,
liebe Schwestern und Brüder!

Mit „Tage wie diese“ haben wir unseren Gottesdienst begonnen. Tage wie diese – so Feste wie heute – sind Höhepunkte, nicht nur in der Dorf- und Feuerwehrgeschichte – auch die nächsten Jahrzehnte wird man sich an diese Tage erinnern – sie sind auch ein Höhepunkt im Leben derer, die heute Teil dieser großartigen Gemeinschaft sein dürfen, jener, die seit Monaten, seit Jahren kann man sagen, auf diesen Höhepunkt hingearbeitet haben in verschiedenen Funktionen, im Festausschuss, in den vielfältigen Vorbereitungen, in der ersten Reihe oder viel öfter ganz unscheinbar im Hintergrund. „Ich wart’ seit Wochen auf diesen Tag“ heißt es im Lied. Und ich bin mir sicher, dass auch ihr gerade jetzt in den letzten Monaten und Wochen auf diese Tage hingefiebert habt.

So dürfen wir an diesem Septemberwochenende ein großartiges Fest feiern! Und, liebe Schwestern und Brüder, das steht fest, und wer es noch nicht wusste, der erlebt es in diesen Tagen: Feiern, davon verstehen die Ganackerer etwas!

150 Jahre Freiwillige Feuerwehr Ganacker: Diesen Geburtstag eurer Wehr feiert ihr zurecht in großem Rahmen. Denn es sind eineinhalb Jahrhunderte, die von Kameradschaft und Gemeinschaft erzählen, vom Einsatz für den Nächsten und nicht zuletzt von vielen einzelnen Menschen, die im Laufe der Jahrzehnte Verantwortung übernommen haben.

Und so ist dieses Fest ein wunderbares Zeichen des guten Miteinanders innerhalb der Feuerwehr und innerhalb des Dorfes. Denn was wäre ein Dorf wie Ganacker ohne seine Feuerwehr? Zusammen mit anderen Vereinen ist sie Garant eines funktionierenden Dorflebens, das Ganacker auszeichnet und auf dass ihr hier zurecht stolz sein dürft! Hier hält man zusammen; hier ziehen viele an einem Strang.

Das 150-jährige Jubiläum eurer Feuerwehr ist Grund zum Feiern, aber auch Grund zum Danken. Denn es sind 150 Jahre, in denen Generationen von Menschen – Männer und Frauen – bereit waren, sich ehrenamtlich in der Freiwilligen Feuerwehr zu engagieren.

Die Betonung liegt auf „ehrenamtlich“. Keiner ist dazu gezwungen bei der Feuerwehr zu sein; auf den ersten Blick habe ich auch gar nichts davon, sondern gebe vielmehr etwas: meine Zeit, meinen Einsatz, meine Arbeitskraft. Nicht selten riskieren Feuerwehrleute bei Einsätzen auch ihre eigene Gesundheit, manches Mal leider auch das eigene Leben. Ein Dienst, ein Amt, das ohne Zweifel ehrenhaft ist. Das Ehrenamt ist das Rückgrat unserer Gesellschaft.

Dafür sagen heute ein ganzer Ort, eine ganze Gemeinde, sagen wir Danke und Vergelt’s Gott: Euch, die ihr heute diesen Dienst für andere tut, und euren Familien, die hinter euch stehen; denn auch das ist wichtig. Vergelt’s Gott jenen, die diese Feuerwehr 1876 gegründet haben und allen, die seither Menschen in verschiedenen Notlagen geholfen haben, wann immer sie sie brauchten, bei Bränden, bei Unglücken, Überschwemmungen und anderen Naturkatastrophen. Sie retteten, bargen, löschten, schützten Hab und Gut. Dass diese Einsätze zu allermeist glimpflich verliefen und alle wieder gesund zu ihren Familien zurückkehren konnten und das auch in Zukunft hoffentlich können, dafür sagen wir heute auch dem Herrgott Danke.

Feuerwehrdienst ist ein Dienst am Nächsten. Er ist gelebte Nächstenliebe. Ich glaube, dass darf man betonen und an einem Festtag wie heute auch besonders herausstellen. Zwar werdet ihr, wenn ihr zum Einsatz fahrt, nicht als Erstes denken: „Jetzt erfülle ich das Gebot der Nächstenliebe“. Da hat man andere Dinge im Kopf. Aber genau das geschieht doch: Ihr erfüllt bewusst oder unbewusst, auf jeden Fall aus einer Haltung der Solidarität, der Verantwortung und des Mitgefühls gegenüber anderen Menschen das, was der Apostel Paulus in seinem Brief an die Gemeinde in Rom als das „Gesetz Christi“ bezeichnet hat. Er zählte die Zehn Gebote auf, wenn ihr euch erinnert, und fasste diese schließlich zusammen in dem Satz Jesu: „Du sollst deinen Nächsten lieben wie dich selbst.“

Die Liebe ist die Erfüllung des Gesetzes. Und vorher heißt es noch: „Bleibt niemand etwas schuldig, außer der gegenseitigen Liebe.“ Die Liebe schulden wir einander als Christen immer; einander in Liebe, das heißt mit Achtung, mit Hilfsbereitschaft und Solidarität zu begegnen. Nächstenliebe ist für einen Christen nicht verhandelbar.

Und wer etwas aus Liebe tut, der tut es uneigennützig. Der fragt nicht danach: Was hab ich davon? Was bringt mir das in der Feuerwehr zu sein?

Und das, liebe Schwestern und Brüder, hat viel mit der zweiten großen Leistung der Feuerwehren, vor allem auf dem Land, vor allem – so möchte ich sagen – bei uns in Bayern zu tun. Die Feuerwehren haben eine soziale Funktion. Sie wirken wie selten ein anderer Verein, in die Gesellschaft hinein. Und zwar nicht nur durch ihre Einsätze bei Bränden, Verkehrsunfällen und anderen technischen Hilfeleistungen. Sondern als Orte, wo Gemeinschaft, Kameradschaft, Bereitschaft zum Einsatz für andere gelebt und weitergegeben werden.

Hier lernen junge Menschen in der Jugendfeuerwehr – und Respekt allen Jugendlichen, die sich in der Feuerwehr engagieren – hier lernt ihr neben dem Umgang mit Technik etwas ganz Wichtiges fürs Leben, nämlich Verantwortung zu übernehmen, sich einerseits auf andere verlassen zu können, aber andererseits auch selber Dinge in die Hand zu nehmen; einander vertrauen zu dürfen; einander positiv zugewandt zu sein.

Und das ist ein sehr bedeutendes Signal hinein in eine Gesellschaft, die solche Werte und Tugenden meiner Meinung nach heute dringend braucht. Wir alle spüren doch, dass sich auch in unserer Gesellschaft etwas verändert, und zwar nicht zum Guten. Wir spüren diese Stimmung der Unzufriedenheit mit allem und jedem. Das zum Teil geschürte Misstrauen, vor allem gegenüber Institutionen; nicht selten Feindseligkeit und gegenseitige Herabwürdigungen gerade in sozialen Medien, die manchmal den Eindruck entstehen lassen, als seinen manche Menschen mehr wert als andere. Noch einmal: Nächstenliebe und menschwürde sind nicht verhandelbar! Das hat auch viel mit einer Sprache zu tun, die uns immer öfter begegnet, aber an die wir uns nicht gewöhnen sollten; einer Sprache, die Menschen gegeneinander aufbringt, statt sie zusammenzuführen, die polarisiert zwischen „uns“ und „den anderen“.

Aber, liebe Schwestern und Brüder, wer auf Spaltung setzt und aus der Angst der Menschen seinen Nutzen zu ziehen hofft, der erfüllt ganz sicher nicht Christi Gesetz; der handelt dem Evangelium zuwider.

Was es braucht, das sind Menschen wie ihr! Werte und Tugenden wie sie in den Feuerwehren gelebt werden von Menschen, die zusammenführen und zusammenhalten. Die anpacken, nicht nur vom Spielfeldrand aus gescheit daherreden. Menschen, die nicht fragen: Was trennt uns? Sondern: Was verbindet uns? Nicht: Was hab ich davon? Sondern: Was kann ich beitragen? Nicht: Ich zuerst! Sondern: Einer für alle – und alle für einen.

Dieser Satz gilt in der Feuerwehr – damals wie heute. Und dafür gibt es auch ein schönes Symbol: die Fahne. Nachher werden wir eure restaurierte Fahne segnen. Wir erbitten Gottes Segen für sie, weil sie nicht nur ein Stück Stoff ist. Sie ist Zeichen der Gemeinschaft. Menschen sammeln sich unter ihr. Ihr geht als Verein gemeinsam hinter ihr her. Sie verbindet die, die vor uns waren, mit denen die heute Verantwortung tragen und sie schlägt zugleich eine Brücke zu denen, die nach uns kommen werden, und diese Fahne einmal weitertragen, und die Geschicke der Feuerwehr und des Ortes Ganacker in eine gute Zukunft führen.

Eure Fahne zeigt die Leonhardikirche und darüber den Wahlspruch der Feuerwehren „Gott zur Ehr, dem Nächsten zur Wehr.“

Mein Wunsch für euch ist heute, dass ihr euch auch in den kommenden Generationen auf die Fahne schreibt, den Mitmenschen in Not zu helfen, die Gemeinschaft untereinander zu bewahren und dass ihr bei all dem den Herrgott nicht vergesst, auf dass er euch auf die Fürsprache des heiligen Florian allezeit behüte, euch bei euren Einsätzen begleite und euer Tun segne.

„Gott zur Ehr, dem Nächsten zur Wehr.“

Amen.

Röm 13, 8–10; Mt 18,15-20

Fotos: S. Melis

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