Der Sonntagsgottesdienst am Großköllnbacher Dorfhaus war alles andere als gewöhnlich: statt in den traditionellen Kirchenbänken versammelte sich die Pfarrgemeinde mitten im Grünen, umgeben von Schatten spendenden Bäumen und in ganz besonderer Begleitung. Zahlreiche Gläubige waren dem Aufruf von Dekan Jürgen Josef Eckl gefolgt und hatten ihre Haustiere mitgebracht, die geduldig unter den Holzbänken oder auf mitgebrachten Decken im Gras Platz nahmen.
Schon zu Beginn der Feier fing der Geistliche die neugierigen Blicke der Gemeinde ein. „Gehört sich das? Tiere beim Gottesdienst? Ein Segen für sie?“, fragte der Dekan mit einem Schmunzeln. Seine Antwort viel unmissverständlich aus: „Wenn wir genau hinschauen, entdecken wir, dass ganz viele Texte sowohl des Alten als auch des Neuen Testaments von der Liebe Gottes zur ganzen Schöpfung sprechen. Nicht nur zum Menschen; zur ganzen Schöpfung.“ In jedem Geschöpf fänden sich Spuren des Schöpfers wieder. Der Mensch stehe dabei nicht außerhalb, sondern mitten in ihr. Aus der ihm geschenkten Vernunft erwachse jedoch die große Verantwortung, die Erde zu bewahren und zu behüten, statt sie rücksichtslos auszubeuten.
In seiner Predigt schlug Dekan Eckl nachdenkliche, aber auch sehr nahbare Töne an und hielt den Menschen einen Spiegel vor. Während der Mensch oft rücksichtslos handele, lebten Tiere in einer beneidenswerten Unschuld. „Mein Kater sorgt sich nicht um morgen; was die Weltpolitik bringen wird oder wie das Wetter wird“, stellte Eckl fest. „Kein Tier macht sich Gedanken über seine Karriere, kein Tier sammelt Geld oder baut sein Dasein auf Macht auf. Tiere nehmen dankbar an, was ihnen geschenkt wird. Ob sie uns darin vielleicht nicht sogar Lehrer des Lebens sein können?“ Mit Verweis auf den heiligen Franz von Assisi, dessen 800. Todestag in diesem Jahr gefeiert wird, erinnerte er daran, dass die Liebe zu Gott untrennbar mit der Liebe zu seiner Schöpfung verbunden ist. Gerade in der heutigen Zeit seien Haustiere unersetzliche Gefährten, die Kranken Trost und Einsamen Nähe schenken. „Sie fragen nicht nach unserem Erfolg. Nicht nach unserem Aussehen. Nicht nach unserem Ansehen. Sie nehmen uns an“, betonte der Dekan.
Beim Einzelsegen für die Tiere wurde es dann tierisch menschlich: da schnupperten neugierige Fellnasen am Dekan, während die Besitzer sichtlich stolz ihre vierbeinigen Familienmitglieder präsentierten. Der Segen erreichte an diesem Vormittag eine bunte Vielfalt der Tierwelt: die Meerschweinchen Cookie und Milky wurden von Melanie und Elisa liebevoll auf den Armen gehalten, während Windhund Kalle entspannt auf der Decke im Schatten lag. Labradoodle-Dame Lilly der Familie Königer verfolgte das Geschehen genau, Gimli von der Familie Haller war nicht so der Fan vom Weihwasser, ließ sich aber dann doch gerne streicheln. Sogar ein paar prachtvolle Zwergseidenhühner von Luis, Amelie und Philipp waren mit von der Partie. Zudem empfingen die Schildkröten Tipsy und Knirpsi von der katholischen Kindertageseinrichtung „Haus für Kinder – Santa Maria“ den Segen.
Text und Fotos: S. Melis