Kreuzweg über dem Isartal
In der ehrwürdigen Stille der Kirche St. Pankratius hat ein besonderer Gebetsweg seinen Anfang genommen, der die Gläubigen der Pfarreiengemeinschaft Pilsting/Wallersdorf tief in die vorösterliche Betrachtung geführt hat. Während drinnen die erste der 14 Stationen – die Verurteilung Jesu – den geistigen Grundstein legte, wartete draußen die raue Wirklichkeit eines kühlen Sonntagabends. Unter der Leitung von Dekan Jürgen Josef Eckl, der gemeinsam mit den Pfarrvikaren Arul und Paul, Gemeindereferentin Lisa Rattei sowie einer stattlichen Schar von Ministranten in ihren roten Gewändern voranschritt, begab sich die Gemeinschaft hinaus in die Leonsberger Natur und sang zusammen mit Kirchenmusiker Thomas Eiserle zum Thema passende Lieder. Es war ein Weg, der die Gläubigen im wahrsten Sinne des Wortes über Stock und Stein führte der Weg der Gläubigen auf Jesu spuren bis zum Golgatha. Tief in das Passionsgeschehen Vorbei an den Häusern des Dorfes, hinaus auf die weiten Fluren und entlang knorriger Waldränder. Mit jeder Station des Weges tauchten die Teilnehmer tiefer in das Passionsgeschehen ein. Von der Annahme des schweren Kreuzes über die mühsamen Stürze Jesu bis hin zur Begegnung mit seiner Mutter – die Texte und Gebete verhallten nicht in geschlossenen Räumen, sondern stiegen hallend in den Abendhimmel auf. Dass dieser Weg ein gemeinschaftliches Werk war, zeigte sich an der breiten Beteiligung der Vereine: Vertreter des Frauenbundes (KDFB) und des katholischen Männervereins trugen das Gebet ebenso mit wie Mitglieder der Kirchenverwaltung, des Pfarrgemeinderats und die Mesner der Pfarreiengemeinschaft. Das schwere Holzkreuz, das der Gruppe auf den unebenen Pfaden vorangetragen wurde, bildete dabei den optischen Ankerpunkt inmitten der weiten, noch kargen Landschaft, die erst träge wieder erwacht. In Ruhe innehalten Ein besonderer Moment des Kreuzweges bot sich an der versteckten Mariengrotte von Leonsberg. Inmitten des dämmrigen Grüns der Bäume verharrte die Gruppe an diesem Ort der Ruhe, um innezuhalten; im Schutz des Waldrandes schien das Leid des Kreuzwegs und die Hoffnung der österlichen Botschaft besonders greifbar. Über holperige Wege setzte sich der Zug fort, betrachtete das Entkleiden Jesu und seine schmerzhafte Nagelung ans Kreuz, bis zum Tod Christi – vor Augen die dunklen Dämmerwolken am Horizont. Trotz dem beißenden Wind folgten die Teilnehmer dem Kreuz, getragen von Bernhard Haller; die Anstrengung des Weges durch die Natur spiegelte die Mühsal des Kreuzwegs wider. Erst mit der Dämmerung kehrte die Prozession für die 14. Station – die Grablegung – und den feierlichen Abschlusssegen zurück in den schützenden Raum von St. Pankratius.
Text und Fotos: S. u. C. Melis