An der katholischen Benefiziumskirche St. Ottilia ist ein sichtbarer und symbolträchtiger Meilenstein erreicht: Bei strahlendem Spätsommerwetter haben sich zahlreiche Gläubige aus dem Benefizium im Kirchhof versammelt, um der feierlichen Segnung des frisch restaurierten und neu vergoldeten Turmkreuzes beizuwohnen. Gemeinsam mit der vergoldeten Turmkugel wird das Kreuz in Kürze wieder seinen angestammten Platz auf der barockisierten Zwiebelhaube des Gotteshauses einnehmen und seinen goldenen Glanz weit über Parnkofen und die Flure senden.

Dekan Jürgen Josef Eckl stellte in seiner Ansprache die theologische Tragweite des Augenblicks in den Mittelpunkt. Die Renovierung der Benefiziumskirche nähere sich langsam dem Abschluss, werde sich aber noch etwas hinziehen. „Zumindest haben wir ab heute wieder ein Turmkreuz auf unserem St.-Ottilien-Turm“, zeigte sich der Geistliche erfreut. Das Kreuz sei das zentrale Zeichen des Glaubens. „Man wird es sehen, weil es so schön vergoldet worden ist. Es wird hinausstrahlen in die Umgebung und allen unseren Glauben ausweisen. Es wird sagen: Unser Glaube hört nicht bei Tod, bei Krankheit, beim Schlechten, beim Bösen auf, sondern der ewige Gott hat das letzte Wort.“
Mit deutlichen Worten verwies der Dekan auf die Orientierungskraft des christlichen Symbols in der Gegenwart: „Gerade in Zeiten, in denen viele immer nur das Negative sehen, alles schlechtreden und sich dabei auch einer spaltenden Sprache bedienen, ist das Kreuz das Zeichen der Einheit und der Gemeinschaft aller, die an Christus glauben.“ Es sei das Zeichen derer, die Hoffnung im Herzen tragen und aus dieser Zuversicht heraus die Welt zum Besseren verwandeln wollen. „Deshalb sagen wir auch: Im Kreuz ist Heil, im Kreuz ist Leben, im Kreuz ist Hoffnung.“

Nach der Segnung stand das Befüllen der kupfernen Zeitkapsel an. Das eingelegte Dokument, das von Dekan Jürgen Josef Eckl, Kirchenpfleger Franz Limbrunner und Verwaltungsleiterin Astrid Weber unterzeichnet wurde, hält die Hintergründe dieses für die kleine Kirchenstiftung enormen Kraftakts für die Nachwelt fest. Deutliche Risse im Mauerwerk hatten zuletzt sogar die statische Standfestigkeit des Gotteshauses gefährdet. Bereits bei der vorangegangenen Außenrenovierung im Jahr 1995 – damals mit Maßnahmen an Drainage, Fundament und Dachdeckung – waren erhebliche Risse, insbesondere beim Erweiterungsbau, behoben worden. Die Problematik setzte sich jedoch in den Folgejahren unerbittlich fort, sodass tiefe vertikale Risse innen und außen sichtbar wurden. Seit 2022 liefen die Planungen für die Generalsanierung.

Mit vereinten Kräften und großem Engagement von Kirche, Staat, der Marktgemeinde Pilsting, Handwerkern und Unterstützern wird das Bauwerk nun instandgesetzt. In der Urkunde heißt es dazu mahnend und hoffnungsvoll zugleich: „In einer Zeit, die von technischem Fortschritt, tief greifendem gesellschaftlichem Wandel und vielfältigen Herausforderungen, Krisen und Kriegen in der Ukraine und im Iran geprägt ist, soll diese Renovierung ein Zeichen dafür sein, dass Menschen dennoch weiterhin Verantwortung für ihr gemeinsames Erbe übernehmen.“

Die Kirche stellt eine Synthese zweier Epochen dar: Der barocke Saalbau mit eingezogenem Chor wurde 1736 vom kurfürstlichen Hofmaurermeister Johann Georg Hirschstötter aus Landshut errichtet. 1929 wurde das Langhaus nach Westen erweitert und erhielt dabei seinen markanten Südturm mit Zwiebelhaube sowie die Sakristei. Im Inneren beherbergt der 1736 geschaffene Hochaltar das wertvollste Kunstwerk: eine spätgotische Sitzfigur der Kirchenpatronin Ottilia mit aufgeschlagenem Buch und zwei Augen, um 1520, die von einer sehr alten Wallfahrtstradition zeugt.

Dekan Eckl nutzte den Anlass für ein Vergelt’s Gott an alle Beteiligten: Den Handwerksfirmen, den Planern des Landshuter Architekturbüros Nadler Reif – Architekt Michael Nadler war persönlich anwesend –, der Kirchenverwaltung sowie Verwaltungsleiterin Astrid Weber, die das Vorhaben zuverlässig koordiniert. Von der Kirchenverwaltung wohnten Kirchenpfleger Franz Limbrunner sowie Sebastian Eder, Xaver Reithmaier und Josef Schöfbeck der Feier bei.

Im Segensgebet erbat Dekan Eckl auf die Fürsprache der heiligen Ottilia den göttlichen Segen für das Kreuz, das den Menschen Einladung zu Gebet, Trost, Hoffnung und Frieden sein möge. Nach dem gemeinsamen Vaterunser und dem Mariengebet wurde die Kapsel von Handwerkerhand noch vor Ort fachmännisch verlötet, ehe sie ihren Platz im Turmknauf fand. Sobald die Bauarbeiten gänzlich abgeschlossen sind, wird St. Ottilia wieder für Jahrzehnte gerüstet sein – als Baudenkmal und als lebendiges Haus Gottes.

Text und Fotos: S. Melis

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