Wenn ein Priester nach fast sieben Jahrzehnten im Dienst der Kirche heimkehrt, ist dies ein Moment des Innehaltens: in der vollbesetzten Pfarrkirche St. Laurentius in Otzing versammelte sich am Samstagvormittag eine große Trauergemeinde, um dem verstorbenen Bischöflich Geistlichen Rat Johann Irberseder das letzte Geleit zu geben. Das feierliche Requiem war geprägt von tiefer Wertschätzung für einen Seelsorger, der über Jahrzehnte hinweg das geistliche Leben in seinen verschiedenen Dienststellen entscheidend mitgestaltet hatte.
Die feierliche Liturgie verdeutlichte bereits beim Einzug den hohen Stellenwert des Verstorbenen innerhalb der Diözese: Zelebrant Dekan Jürgen Josef Eckl (Dekanat Pilsting-Eggenfelden) stand mit insgesamt 15 Mitbrüdern im priesterlichen und diakonalen Dienst am Altar. Unter den Konzelebranten befanden sich Domkapitular BGR Johann Ammer, Dekan Josef Geismar (Dekanat Deggendorf-Viechtach) sowie der Otzinger Ortspfarrer BGR Antony Soosai, der die Begrüßung übernahm. Musikalisch wurde der Gottesdienst durch den Kirchenchor Otzing unter der Leitung von Angela Renner gestaltet. Anteil nahmen zahlreiche Abordnungen mit Fahnen sowohl aus seiner Heimatpfarrei als auch aus Ganacker unter anderem mit den freiwilligen Feuerwehren, Landjugenden, kath. Frauenbünden, Schützen- und Radfahrervereinen und der MMC.
Das Wesen des Priestertums
Dekan Jürgen Josef Eckl stellte seine Predigt unter das Leitwort „Arbeiter im Weinberg des Herrn“. Dabei entsprach er dem ausdrücklichen Wunsch des Verstorbenen, am Tag seiner Beerdigung nicht seine eigene Person in den Vordergrund zu stellen, sondern über das Wesen des Priesterberufs und den Priesternachwuchs zu sprechen – Themen, die Johann Irberseder zeitlebens am Herzen lagen. Ausgehend vom Evangelium nach Matthäus zeichnete Eckl das Bild eines Dienstes, der ganz auf Christus ausgerichtet ist. „Ein Priester verkündigt nicht sich selbst, sondern immer Jesus Christus“, betonte der Dekan.
Johann Irberseder habe dieses Ideal durch seine bescheidene und pflichtbewusste Art verkörpert. Er sei ein Seelsorger gewesen, der den Menschen auf Augenhöhe begegnete und das priesterliche Motto „Umsonst habt ihr empfangen, umsonst sollt ihr geben“ glaubwürdig lebte. Eckl erinnerte daran, dass Irberseder nicht nur in der Kirche, sondern mitten unter den Menschen wirkte. Ob bei Vereinsfesten oder persönlichen Begegnungen im Dorf – er war präsent, ohne sich aufzudrängen. Gerade die Gläubigen in Ganacker hätten eine tiefe Verbundenheit zu „ihrem Pfarrer“ gepflegt, die bis in sein hohes Alter und über den Ruhestand hinaus Bestand hatte.
Stationen eines langen Priesterlebens
Domkapitular BGR Johann Ammer verlas den Nachruf des Bistums Regensburg und ergänzte diesen um biografische Details sowie Erinnerungen an seine eigene Zeit als Schüler Irberseders. Er skizzierte den Weg, der 1952 mit dem Eintritt ins Priesterseminar begann und 1958 zur Priesterweihe führte. Verschiedene Stationen führten ihn 1993 nach Ganacker, dort wirkte er zunächst als Expositus und später als Administrator, bis er 2013 in den Ruhestand trat.
Ammer berichtete von einer Begegnung im Schuljahr 1977/78, als Irberseder als Religionslehrer tätig war. Ein damals vermittelter Gedanke blieb prägend: In Momenten der Angst sei Gott als mächtiger Begleiter an der Seite des Menschen. Diese Glaubenszuversicht sei der Grundton in Irberseders Leben gewesen. Auch die letzten Jahre in seinem Elternhaus in Lailling wurden thematisiert, wo er nach dem Tod seiner Schwester Maria von Pflegerinnen und Freunden betreut wurde.
Dank der Gemeinden und Gremien
Die politische Gemeinde würdigte das Wirken des Verstorbenen durch Ansprachen der Bürgermeister Johannes Schmid (Otzing) und Martin Hiergeist (Pilsting). Schmid hob dabei besonders die Heimatliebe Irberseders hervor, die sich unter anderem in seinem Engagement für die Geschichte der Filialkirche St. Nikolaus in Lailling zeigte. Bürgermeister Hiergeist dankte für die jahrzehntelange, gewissenhafte Arbeit in der Seelsorge und die unkomplizierte Zusammenarbeit mit der Marktgemeinde Pilsting.
Auch die Kirchenverwaltung und der Pfarrgemeinderat Otzing brachten ihren Dank zum Ausdruck. Sie erinnerten insbesondere an die tatkräftige Unterstützung Irberseders bei der Kirchenrenovierung im Jahr 1999 und würdigten ihn als einen Ratgeber, dessen Wort in der kirchlichen Gemeinschaft Gewicht hatte. Seine letzte Ruhestätte fand BGR Johann Irberseder auf dem Friedhof der Filialkirche St. Nikolaus in Lailling, begleitet wurde er von seinen Mitbrüdern sowie vielen Freunden und Weggefährten.
Text und Foto: S. Melis